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Als am 20. März im LVR-Freilichtmuseum Kommern ein kleines Zicklein geboren wurde, war die Freude groß. Gleichzeitig aber zerbrach man sich den Kopf darüber, wie das Tier denn nun heiße solle. Da die kleine Ziege zur Rasse „Weiße Deutsche Edelziege" gehört und ein Weibchen ist, war klar, dass ihr Name mit E anfangen musste, trägt ihre Mutter doch den stolzen Namen Evita. Vater Hannes hätte nur ein Mitspracherecht gehabt, wenn es ein Böcklein geworden wäre.
Um einen schönen Namen zu finden, veranstaltete das Freilichtmuseum daher einen Wettbewerb. Unter den zahlreichen Einsendungen, in denen Namen wie Elsa, Erna, Elsbeth und Elsgen aber auch kreative Neuschöpfungen wie Efreili (für Eifel-Freilichtmuseum) oder Eiflia vorgeschlagen wurden, wählte man jetzt den Namen „Elfenbein" aus. Der Rufname des Tieres wird jedoch „Elfie" sein.
Die komplette Klasse 5b der Mechernicher Realschule nahm an dem Wettbewerb teil. Und aus ihren Reihen stammt jetzt auch der Sieger und damit Taufpate Yasin, der den Namen „Elfenbein" alias „Elfie" vorschlug. Ein Jahr lang kann der Junge nun sein Patentier regelmäßig besuchen und dessen Entwicklung im Freilichtmuseum beobachten.
Museumsleiter Dr. Josef Mangold überreichte Yasin eine Taufbescheinigung und lud alle Kinder der Klasse 5b ein, die Ziege bei ihrer weiteren Entwicklung zu begleiten. „Wir wollen euch hier im Freilichtmuseum zeigen, wie das Leben früher auf dem Bauernhof so vor sich ging, und da gehören die Tiere mit dazu", so Mangold. Die Kinder könnten bei ihren Besuchen lernen, was eine Ziege so fresse, wie sie gehalten werde, wie sie sich mit anderen Tieren verstehe, aber auch wie sich die Besucher gegenüber dem Tier verhielten. Gemeinsam mit den Museumslandwirten könnten die Kinder die Ziege natürlich auch füttern.
Museumslandwirt Gerd Linden erzählte den Schülerinnen und Schülern, dass eine Ziege früher auch als „Kuh des kleinen Mannes" bezeichnet wurde. „Wenn man nicht viel Land und Boden hatte, war so eine Ziege ideal", so Linden, der sich rührend um die Aufzucht des Zickleins kümmert. Schließlich könne eine Ziege bis zu 1000 Liter Milch im Jahr geben. Früher habe man daraus Ziegenkäse gemacht. Aber auch die Milch selber habe man bei Magenproblemen geschätzt und sie Säuglingen und Kranken verabreicht. In Mechernich hielten sich früher vor allem die Bergmänner eine Ziege, denn das genügsame Tier konnte fast überall Futter finden. „Nachmittags mussten die Kinder die Ziege hüten und dann vor allem aufpassen, dass das Tier nicht die Blumen und Rosen im Nachbargarten auffraß", so Linden. Denn wie schon im bekannten Märchen „Tischlein deck dich", so gelten Ziegen auch in der Realität als äußerst gefräßig.
Die Weiße Deutsche Edelziege hat eine weiße Farbe und leichte Pigmentflecken an Nase, Ohren und Euter. Es gibt hornlose und gehörnte Tiere, die Behaarung ist kurz und glatt. In Sachen Futter gilt sie als nicht besonders anspruchsvoll. Sie zeichnet sich darüber hinaus durch eine lange Lebenserwartung aus. Hervorgegangen ist die Weiße Deutsche Edelziege aus weißen deutschen Ziegen und einer Kreuzung mit Schweizer Saanenziegen.
Für die Klasse 5b mit ihrer Klassenlehrerin Kerrin Heinen und der Biologielehrerin Barbara Prawdzik hatte Museumleiter Dr. Mangold noch eine weitere Überraschung parat. Die ganze Klasse darf nämlich kostenlos an einer museumspädagogischen Aktion teilnehmen, das heißt: Die Kinder dürfen beispielsweise in einem alten Dorf-Ofen, genannt „Backes", Brot backen, bei der Flachsverarbeitung helfen oder bei der Ernte helfen.
